Mojave Wüste, Route 66 und Joshua Tree National Park…

Tag 65 // Gut geschlafen haben wir heute nicht, obwohl es so still um uns herum war, wie noch nie zuvor. Zu wissen, dass wir mitten in der Mojave Wüste feststecken, war für einen ruhigen Schlaf nicht besonders förderlich. Um 6 Uhr stehen wir schon auf. Es wird schon hell. Gleich schauen wir uns um, wo wir gestern im Dunkeln eigentlich genau stecken geblieben sind. Naja. Schaut nicht gut aus. Viele Autos werden hier wahrscheinlich nicht vorbeikommen. Telefonempfang: Negativ. Wir beginnen mal zu buddeln. Die Handschuhe, die wir zur Sicherheit (eigentlich wegen der Kälte in Kanada) mit eingepackt haben, machen sich jetzt bezahlt. David versucht den tief eingegrabenen Hinterreifen zu befreien und Eveline sammelt derweil Steine und feste Zweige. Unser Plan ist, eine kleine „Straße“ für die Hinterachse zu legen, damit wir beim Zurücksetzen den notwendigen Grip bekommen. Kurze Randnotiz: Wir haben nichts dabei. Nichts. Nur einen Besen. Keine Schaufel, keinen Wagenheber, kein Werkzeug. Bekommt man nicht zur Verfügung gestellt bei Cruise America. Bitter ist das. Okay. Vielleicht sollte man mit diesen Fahrzeugen auch nicht in solches Terrain wagen. Als wir unser Bestes getan haben, setzt sich Eveline hinter das Steuer und versucht ganz langsam zurückzuschieben. David schiebt an. Kein Erfolg. Die Hinterachse bekommt einfach keinen Grip. Und was wir jetzt auch fix wissen: Der Camper hat keinen Allrad, sondern nur Hinterradantrieb. Das Beste jetzt überhaupt. Drecks **AsDä#+%&%DÄfsdä+++Sd+f*E* Okay. Ruhig bleiben. Bringt eh nichts. Wir trinken mal einen Kaffee. Windig ist es heute. Aber nicht heiß. Wenigstens passt das Wetter halbwegs. Machen wir uns mal einen Plan. Wie kommen wir hier wieder weg? Ohne fremde Hilfe wird es nicht gehen. Jemand muss uns anschieben helfen oder am besten brauchen wir einen fetten Pickup mit Allrad, der uns rauszieht. Wir sperren den Camper ab, nehmen uns die Sonnenbrillen und was zu trinken und machen uns auf den Weg den Feldweg retour, Richtung Straße, von wo wir hierhergekommen sind. Es ist immer noch sehr früh. Als wir bei den Jungs vorbeikommen, die uns gestern in unsere Richtung geschickt haben, rührt sich noch nichts hier. Die pennen noch. Eindeutig. Der Van, in dem die Herren hausen, schaut außerdem nicht nach einer Zugmaschine aus, die unseren Camper aus der misslichen Lage befreien könnte. Wir gehen weiter. Weiter vorne stehen noch ein paar Autos und eine öffentliche Toilette ist ebenfalls vor Ort. Hier hätten wir gestern einfach gleich stehenbleiben sollen. Hätti… Wari… Is net… Wurscht. Zumindest haben wir nach dem 2 Kilometer Marsch ein „Stricherl“ Telefonempfang. Halleluja! Gut, was machen wir damit… Wir rufen jetzt einfach mal wieder unsere „Freunde“ bei Cruise America an. Damit es keine Diskussion gibt, von wegen: „Da hätten sie aber bitte schon die Hotline anrufen müssen… Blablabla.“ 10 Minuten hängen wir in der Warteschleife. Macht nichts, wir hören eh nur alle 5 Sekunden einen kurzen Brocken wegen des schlechten Empfangs. Als endlich ein Mitarbeiter abhebt, erklären wir ihm unser Problem. Okay. Er hat folgende Antwort parat: Es gibt 2 Möglichkeiten. Entweder ER ruft einen Abschleppdienst, oder WIR machen das selbst.  Danke. Für nix. Er gibt auch noch die Auskunft, dass wir mit 200 bis 500 Dollar rechnen müssen und Cruise America natürlich nicht dafür aufkommt. War klar. Wir legen wieder auf. Schöne Scheiße. Gut. Bis zur nächsten Straße, der Kelbaker Road, sind es noch 4 Meilen zu Fuß. Und dann muss erst mal ein Truck stehen bleiben. Den Daumen oder sonst was rausstrecken ist auch nicht gerade unsere Paradedisziplin, mit der wir sonderlich erfahren sind. Wir gehen also wieder retour. Irgendwas wird uns schon noch einfallen. Den Abschleppwagen können wir dann um 9 Uhr immer noch anrufen. Wir kommen wieder bei dem besagten Van vorbei. Einer der Herren ist jetzt schon wach und geht um das Vehikel herum. Wir grüßen ihn freundlich und gehen gleich zu ihm hin. Fragen kostet ja trotzdem nichts. Die missliche Lage wird erneut erklärt. Er drückt ein wenig herum und teilt uns mit, was wir uns eh schon denken konnten. Sein Van mit 2WD wird das nicht packen. Er hat auch kein Seil oder sonstiges dabei. Okay. Danke. Kein Problem. Kann man eh nichts machen. Wir gehen weiter den Weg entlang bis zu unserem Camper. Dort angekommen, sehen wir ungefähr 800 Meter weiter vorne hinter den Sanddünen das Dach eines Trailers oder eines Wohnwagens. Auch schon wurscht. Da gehen wir jetzt auch noch hin. Wenn wir Glück haben, ist es ein Trailer, der von einem fetten Allrad-Pickup gezogen wird. Und… Tatsächlich. Ein wunderschöner Trailer und davor steht ein fetter Dodge RAM. Ohhh Baby. Das könnte es sein. Es ist ungefähr 8 Uhr morgens. Keine Leute sind hier im Freien noch in Sicht. Der Trailer steht ganz einsam hier. Einfach hingehen und anklopfen? Mitten in der Wüste im Nirgendwo… Vielleicht keine gute Idee. Die Amis sind ja gerne bewaffnet. Eveline schaut am harmloseren aus von uns Beiden. Sie geht in die Offensive. Als sie sich dem Camper nähert hört sie jemanden darin sprechen. „Helloooo? Helloo?“ Vorsichtig ruft sie nach eventuell anwesenden Bewohnern des Campers. Wie gesagt, klopfen kommt irgendwo in der einsamen Pampa nicht so gut. Würde uns nicht anders ergehen. Die Tür des Trailers geht auf und eine ältere Dame streckt ängstlich den Kopf aus einem Spalt in der Tür. Eveline fängt an, die Lage zu erklären. David nähert sich jetzt auch langsam dem Trailer. Wir erklären die Lage und fragen, ob sie uns nicht eventuell mit ihrem Pickup rausziehen könnten. Wir stehen außerdem auf der halben Straße und wenn sie heute auch hier wegwollen, kommen sie sowieso nicht an uns vorbei. Die Dame sagt, dass es noch eine Weile dauern wird, aber dass sie dann später mal zu uns nach vorne schauen werden. SIE. Sehr fein. Das ist schon mal ein kleiner Hoffnungsschimmer. Zurück beim Camper, beginnen wir endlich mit dem Frühstück. Doch zum Essen kommen wir gar nicht mehr. Die Dame und ihr Mann sind schon da. Ohne ihren Dodge Ram. Zu Fuß. Und sie haben trotzdem einiges mitgebracht. Eine Schaufel! Hell yeah! Bretter haben sie sogar auch mit. Das schaut vielversprechend aus. Der ältere Mann schaut sich die Lage unseres Campers an. Abschleppen kann er uns nicht. Auch er hat kein Seil dabei. Er scheint sich auszukennen. Gleich schickt er seine Frau zurück zum Trailer, um einen Wagenheber zu holen. In der Zwischenzeit schaufeln wir den Unterboden des Campers frei, um uns wieder etwas Bodenfreiheit zu verschaffen. Wir tratschen über alle möglichen Dinge. Unseren Trip, was wir so arbeiten, woher wir sind usw. Die Beiden sind aus Kanada. Aus Alberta! Wie geil. Auf die Kanadier ist echt Verlass. Zwei Kanadier helfen gerade zwei Österreichern in der westamerikanischen Wüste beim Ausgraben ihres Campers. Als der Wagenheber zum Einsatz kommt, schaut die Sache gleich um einiges besser aus. Wir können den Camper bei der Hinterachse aufheben und schaufeln wieder Sand unter die Räder. Darauf kommen dann größere Steine und darauf dann das Brett. Die beiden Hinterreifen werden auf diese Art und Weise präpariert. So hieven wir den Camper gute 25 cm in die Höhe. Der alte Kanadier kennt sich aus und weiß, was er tut. Er hat früher als „Road Constructor“ gearbeitet. Schon öfter hat er selbst wo festgesteckt oder er hat anderen geholfen. Auch der Fall „Camper in Sand“ ist angeblich nicht sein erstes Mal. Eine gute Stunde werken wir mit Wagenheber, Schaufel und Händen. Als er mit der erreichten Höhe zufrieden ist, setzt er sich gleich wie selbstverständlich hinter das Steuer. Wir schieben jetzt zu dritt. Und tatsächlich. Die Bretter erfüllen ihren Zweck und der Camper bekommt endlich den notwendigen Grip, um komplett auf den festeren Feldweg zurückzusetzten. YEAAAAAH!!! Wir haben es geschafft! Wir bedanken uns herzlichst bei Gordon und Conny für ihre Hilfe. 2 Coors Bier, eine Tafel KitKat und eine Packung Life-Saver Gummies (wie passend) ist das Wenige, was sie annehmen. Geld wollen sie natürlich keines. Sie freuen sich auch sehr, dass sie uns helfen konnten. Zwei so nette Menschen. Da haben wir echtes Glück gebhabt. Das Karma meinte es hier sehr gut mit uns. Sie ziehen wieder von dannen. Wir sind wieder frei! Vorsichtig fahren wir ein Stück weiter. Dort wo die Straße breiter wird, drehen wir an einer sicheren Stelle um. Gemütlich tuckern wir auf dem Feldweg Richtung Kelbaker Road. Dort, wo wir zuvor telefoniert haben, halten wir jetzt an und erledigen mal unser Frühstück. Wir sind erleichtert. Das ist gerade noch einmal gut gegangen. Nach einer kurzen Verschnaufpause fahren wir los. Der Joshua Tree National Park ist unser nächstes Ziel. Ein Stück auf dem Weg dorthin können wir auf der Route 66 zurücklegen. Das machen wir natürlich. Bei einem Streckenabschnitt können wir den Amboy Crater aus der Ferne besichtigen. Wir halten uns aber nicht lange auf und machen lieber noch ein paar typische Road 66 Fotos auf der Straße, dort wo kein Verkehr ist und die Straßenmarkierung auf dem Asphalt gut sichtbar ist. Auch die Drohne kommt zum Einsatz. Wirklich absolut kein Verkehr hier. Nur 1 Lastwagen und ein Auto kommen während unserem Foto-Shooting vorbei. Hätten wir das also auch erledigt. Eine gute Stunde Fahrt haben wir jetzt noch vor uns bis zum Joshua Tree National Park. Wir cruisen gemütlich dahin und hören Musik. Beim Nationalpark angekommen, ist die Mauthütte nicht besetzt. Wir nehmen uns eine gratis Landkarte und entern den Nationalpark. Nett ist es hier. Interessante Felsformationen und die Joshua Trees, sowie die Kakteen, sind herrlich anzuschauen. Sonst sehr wüstenähnlich. Wie bei der Mojave oder auch im Death Valley. Wir sind jetzt endgültig wieder im Süden angelangt. Die wichtigsten Punkte des Parks schauen wir uns an und machen ein paar Fotos. In 1,5 Stunden haben wir den Park erledigt. Wir fahren komplett durch ihn durch und verlassen ihn beim Südende. Dort hat uns das Wiki Camper App den nächsten dispersed Campground ausgespuckt. Wieder ein sandiger Feldweg hier. Aber diesmal können wir uns sicher einparken. Extrem starker Wind zieht auf. Könnte ein Sandsturm werden. Unangenehm wird es jetzt draußen. Der Camper schwingt ordentlich hin und her. Aber was solls. Wir sind wenigstens nicht komplett alleine hier. Sogar im Info-Folder des Nationalparks wird dieser Stellplatz hier empfohlen. Einige andere Camper stehen hier auch rum und trotzen dem Wind. Hier bleiben wir. Zum Abendessen gibt es Lachs mit Reis und Salat. Schmeckt sehr gut. Der Tagesbericht wird verfasst und endlich wird auch wieder eine Folge „Game of Thrones geschaut“. Eine Runde schnapsen muss dann noch sein. Eveline gewinnt mit einem Schneider. Schon wieder. Gibt’s ja nicht. Die weiteren Reisetage bedürfen danach ebenso noch unserer Aufmerksamkeit. Fad wird es nie bei uns…
Gefahrene Kilometer: 238
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Wir sperren die Route 66…
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Hallo Eveline 🙂
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Im Joshua Tree NP. Rechts ein Joshua Tree…
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Der „Cactus Garden“ im Joshua Tree NP…

2 Gedanken zu “Mojave Wüste, Route 66 und Joshua Tree National Park…

  1. Wow danke liest sich wie ein spannendes Buch
    Super freut mich für euch das es euch gut geht und d gefällt so etwas erlebt man nur einmal super geschrieben man kann richtig mit Leben mit Euch danke das ich das lesen darf wünsche euch noch einen schönen Urlaub LG Django

    Gefällt 1 Person

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