Von Lemon Cove Richtung Death Valley…

Tag 47 // Eine sehr angenehme Nacht haben wir hinter uns. Wir stehen erst um 9 Uhr auf. Sonntag it is. Da kann man es schon mal ruhiger angehen lassen. Eveline geht ins Office des Campgrounds und bezahlt die Stellplatzgebühr – mit VISA. Münzen für die Laundry wechselt sie auch gleich. Wäsche waschen steht heute früh nämlich auch noch auf dem Programm. David kümmert sich heute ums Frühstück. Und es schmeckt sogar sehr gut. Ein paar Backups werden nebenbei noch erledigt, ein bisschen Instagram und Facebook. Die Laundry funktioniert leider nicht. Irgendwas ist mit der Wasserleitung. Wir können daher doch nicht Wäsche waschen, meint die dicke Lady im Office. Okay. Dann halt nicht mehr. Wird auch so gehen. Aber dumpen sollten wir schon wieder. Das können wir gleich bei unserem Platz erledigen. Vorsichtig öffnet David die Verschlusskappe des Abwasserrohres, in Erwartung der nächsten bösen Überraschung. Doch nichts passiert. Alles staubtrocken. Geil. So gefällt uns das und so muss das sein. Erfolgreich dedumpt! Yesss! David telefoniert mit seinem Dad, Eveline ebenfalls mit ihren Eltern per WhatsApp. Alles okay daheim. Das freut uns sehr. Es ist Punkt 11 Uhr. Wir schließen gerade alles ab, als die dicke Office-Lady nach uns schreit. Jaaa… Mutti. Wir sind ja eh gleich weg. Nur mehr zwei Minuten… Ahhh… Okay. Sie meint irgendwas mit der Laundry. Die funktioniert jetzt auf einmal doch. Gut. Dann wollen wir mal Wäsche waschen. Den Camper parken wir derweil vor dem Office, damit unser Stellplatz für die nächsten Gäste frei wird, die aber noch weit und breit nirgendwo zu sehen sind. Dann starten wir zwei Maschinen Wäsche und schauen uns in der Zwischenzeit im Office-Shop um. Ein paar Sticker als Souvenir für unsere Alu-Thermo-Flaschen von MIZU, sowie Dufttücher für den Trockner kaufen wir der Lady ab. Dann warten wir im Camper, bis die 2 Maschinen Wäsche fertig sind. Eveline telefoniert noch mit ihrer Cousine. David macht noch ein paar Backups und spielt sich mit Instagram. Ein bisschen Routenplanung geht sich dann auch noch aus. Heute wollen wir bis zum Death Valley fahren. Als die 2 Trocknerladungen fertig sind, machen wir uns auf den Weg. Der Wassertank ist voll, der Kühlschrank und die Trinkwasservorräte ebenso und unsere Wasteholder-Tanks sind geleert. Die Kästen im Camper sind gefüllt mit sauberer Wäsche. Wir können also aus dem Vollen schöpfen. Wer weiß, was uns im Death Valley erwartet. Es ist mittlerweile kurz nach 13 Uhr. Los geht’s! Wir nehmen mal den ersten kleinen Highway. Vorbei an zahlreichen Zitronenbaumplantagen verlassen wir Lemon Cove. Wir sind im wilden Westen angekommen. Unendlich scheinende Weiten. Endlose Prärie. Dazwischen geradeaus nur der Highway. Wir kommen an Ölförderfeldern vorbei. Auch sehr interessant zu sehen. Die Strecke gefällt uns. Die Prärie auch. Wir fahren mal 2 Stunden durchgehend auf dem All American City Highway (Highway 65) Richtung Bakersfield. Durch Bakersfield einfach nur durch. Ungefähr 191 km weit. Dann sollten wir schön langsam dringend mal tanken. Der Camper ist im Gegensatz zu seinem kanadischen Kollegen etwas untermotorisiert und daher sehr durstig nach Sprit. Ca. 460 Meilen weit kommen wir mit einem Tank. Eine Flying J Tankstelle in Tehachapi ist die nächste Tankmöglichkeit, meint unser Google Maps. Die steuern wir an. Eine Wendy‘s Filiale gibt es hier auch, gleich neben der Tankstelle. Und sogar eine Dumpingstation für Wohnmobile. Die ist anscheinend sogar gratis. Nicht schlecht. Die Tankfüllung muss man hier im Geschäft im Voraus bezahlen. Dann erst kann man an der gewünschten Tanksäule um den bezahlten Betrag tanken. Hatten wir so auch noch nie, bis jetzt. Erledigt. Tank wieder voll. Bauch leer. Es wird Zeit für unsere erste Erfahrung mit Wendy’s. Einen Dave’s Single für Eveline und einen Son of Bacanator für David. Dazu Pommes und Cola. Schmeckt sehr gut. Extrem edel diese Wendy’s Burger. Wir genießen unseren Nachmittagssnack. Ein Cinnabon Stand befindet sich auch noch im Tankstellengeschäft, gleich neben der Wendy’s Filiale. Auch hier schlagen wir zu. Wir wollen 2 verschiedene Cinnabons kaufen. Die Verkäuferin lässt uns aber die Cinnabons anscheinend nicht einzeln kaufen. Zumindest erklärt sie uns dreimal, dass es weit billiger ist, wenn man 2 von jeder Sorte nimmt. Dann kostet der zweite nämlich nur EINEN! Dollar. Wir wollen eigentlich wirklich nur einen pro Sorte, also nur zwei. Aber wir wollen es uns mit der Verkäuferin nicht verscherzen und nehmen ihr Angebot an. Sehr gut. Einen Cinnabon teilen wir uns im Camper, die anderen drei werden für später aufgehoben. Frisch gestärkt und mit vollem Tank schmeißen wir uns zurück auf den Barstow Bakersfield Highway. Wir hören Musik über Spotify. U.a. „Wonderful Life“ von Seeed. Das Leben ist wirklich verdammt herrlich. Eveline liest aus dem Lonely Planet Reiseführer vor. Wir tratschen und Eveline googelt die verschiedenen Ziele und Campingplätze rund um und im Death Valley Nationalpark. Einen kostenlosen Campground ganz in der Wildnis wollen wir heute ansteuern. Ohne Strom, Wasser oder sonst Irgendwas. Einfach im Nirgendwo, mitten in der Wüste. Unser Wiki Camper-App weist uns den Weg, wir googeln zur Sicherheit nochmal danach und steuern mit Google Maps dorthin. Neben der Strecke sehen wir eine karge Wüstengegend mit unzähligen Kakteen und einigen verdorrten Sträuchern, im Hintergrund einige Berge, einfach traumhaft. USA Roadtrip deluxe, wie man sich das vorstellt. Dem Death Valley Nationalpark kommen wir langsam immer näher. Das Städchen Trona streifen wir schließlich auch. Hier ist Nichts. Einfach Nichts. Die Häuser hier im Ort befinden sich in einem desolaten Zustand. Eine sehr arme Gegend dürfte das hier sein. Verrostete Autos, löchrige Dächer. Ringsum nur Wüste. Allmählich wird es dämmrig. Die Sonne verschwindet hier schon um 18 Uhr hinter den Bergen. Viele andere Autos sehen wir nicht mehr auf der Strecke. Nur eine Salzfabrik (wir glauben zumindest, dass es sich um eine solche handelt) erblicken wir noch auf dem weiteren Weg. Wir sind im Prinzip ganz alleine. Ein eigenartiges Gefühl. Der Handyempfang hat sich auch längst verabschiedet. Die Straße hier hat keinen Namen. Nicht mal in Google Maps. Wenn wir hier eine Panne haben, dann gute Nacht. Dann müssen wir einfach da schlafen, wo wir zu stehen kommen. Die Lichtstimmung in der Dämmerung ist wahnsinnig schön. Lila Wolken (ja genau, echt kitschig), bläuliche Wolken und rote Wolken hängen über den Bergen neben der weiten Salzwüste. Immer wieder stoppen wir und versuchen, die Stimmung mit der Kamera einzufangen. Aber oft ist es eben am besten, es ganz ohne Kamera einfach nur zu genießen. Es wird allmählich dunkel. Google Maps sagt, noch eine gute halbe Stunde bis zum Wildrose Campground im Death Valley National Park. Die Straße wird immer schlechter und geht teilweise sehr steil und eng einen Hügel hinauf. HIER haben wir definitiv ein Problem, wenn wir hängen bleiben oder einen platten Reifen haben. Keine Bodenmarkierungen oder sonst irgendein Zeichen einer befestigen Straße. Ein schlechter, felsiger Feldweg. Stockdunkel ist es bereits. Entgegenkommen darf uns jetzt ebenso keiner an dieser Stelle. In den Schlaglöchern könnte man teilweise locker eine Bierkiste verstauen. Wir müssen aufpassen und immer wieder ausweichen. Gut, dass der Camper so weich gefedert ist. Wir sehen einige Fledermäuse, einen Fuchs (der hat bestimmt „Gute Nacht“ in unsere Richtung gesagt) und sogar einen gechillten, wilden Esel. Die soll es hier zur Genüge geben, besagt unser Reiseführer. Wie ein Wüstenschiff klettern wir den Hügel hinauf, mitten im stockfinsteren Death Valley. Dann das erste Anzeichen von Zivilisation: Eine Stopptafel. Unglaublich. In der Ferne sehen wir schon ein Campfire burnen. Ein ganz ruhiger Platz hier. Einige Jeeps und ein paar Zelte. Nur ca. fünf andere „Parteien“ campen ebenso hier an dieser Stelle. Überall brennt das besagte Lagerfeuer. Wir suchen uns ein freies Plätzchen und stellen den Camper ab. Als wir aussteigen, hören wir: NICHTS. Außer einen anderen Camper, der in der Ferne mit seiner Gitarre klimpert und versucht, dazu zu singen. Man hört sogar jedes der Feuer knistern. Der Mond scheint hell und der Himmel ist voller Sterne. Wir nehmen uns ein Bier (ein Coors) aus dem Kühlschrank und gehen eine Runde. Traumhaft ist es hier. Echt ein super Erlebnis. Gut, dass wir es geschafft haben. Es ist kurz nach 19 Uhr. 206 km in 2,5 h sind wir von der Wendy’s Filiale bis zu dieser Stelle gefahren. Eveline kocht noch ein Knorr Packerl Alfredo Broccoli als abendlichen Snack und David kümmert sich um den Tagesbericht. Internet gibt es hier natürlich keines. Auch keinen Telefonempfang. Einfach Nichts, außer Wüste. Die tägliche Dosis „Game oft Thrones“ zur Entspannung muss auch heute hier im Death Valley noch sein. Während die Folge läuft, hört Eveline ein knistern in einer der Laden, wo wir den Cinnabon aufbewahren. Naaaa, geh bitte net! Wir haben wieder eine Maus im Camper. Also hoffentlich ist es „nur“ eine Maus. Sogar die gleiche Lade, wie in Kanada. Da muss irgendwo ein sehr leichter weg herein sein, durch die Lüftung, oder wie und wo auch immer. Wir vertreiben den kleinen, ungebetenen Gast durch Klopfen, räumen die Lade aus, verstauen die Lebensmittel in den für die „Maus“ definitiv unerreichbaren Kästen und beträufeln ein Blatt Küchenrolle mit Essig. Dieses kommt wieder rein in die Lade, damit dem kleinen Nager hoffentlich die Lust am hereinkraxeln vergeht. Einen angeknabberten Cinnabon müssen wir leider entsorgen. Draußen hören wir noch die Wildesel schreien. I aaa – I aaa – I aaa. Ein herrlicher Tag. Viele Kilometer haben wir wieder hinter uns gebracht. Schön war die Fahrt, der Weg ist das Ziel. Wir sind gespannt, wie kalt es in der Nacht werden wird. Sonnenaufgang ist hier um 7 Uhr früh. Vielleicht schaffen wir es, diesen zu sehen…
Gefahrene Kilometer: 394

Der Highway…

Weite Prärie…

Lila Wolken…

Herrliche Abendstimmung…

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