Barry’s Bay, Barron Canyon and Arnprior…

Tag 6 // Das Feuer brannte bis ca. 2 Uhr Nachts. Der Ofen gab Vollgas. Eveline musste auch in der Nacht zweimal aufstehen und das in der Jurtetür einbebaute Fenster öffnen. Dann irgendwann nur mehr Glut. Und irgendwann war dann der Ofen aus aber das Fenster noch immer offen. Dadurch war es kalt in der Früh im Zelt. David hat auf der Couch geschlafen. Die war sehr stabil. Ein gemeinsames Schlafen im Bett wäre nicht möglich gewesen. Federkernmatratze und ein wackeliges Bettgestell aus Metall, welches eine ganze Dose WD 40 vertragen hätte können. Quietsch quietsch quietsch… Jedes mal Umdrehen, jede kleine Bewegung resultierte in extrem lauten Quietschen. Daher die Entscheidung von David für die Couch. Um uns einen erholsamen Schlaf zu gewährleisten. Wir packen unser Zeug zusammen und verlassen die Jurte. Im Nissan heizen wir uns gleich wieder ein. Es hat am Morgen ca. 8 Grad. Wir suchen Frühstück und W-Lan in Barry’s Bay. Tim Hortons wird es. Der verfolgt uns jetzt schon ziemlich lange auf unserem Roadtrip. Jetzt geben wir ihm eine Chance. Bagel und Caffe Latte zum Frühstück. Wir sind sehr positiv überrascht. Gar nicht schlecht. Vorallem der Kaffee ist der beste, den wir bis jetzt in Kanada getrunken haben. W-Lan gibt es auch. Das nutzen wir gleich für die Tagesplanung. Wo wollen wir hin? Was gehen wir heute an? Gleich mal auf Airbnb schauen. Dann das Tagesprogramm checken. Okay. Die Richtung steht. Nächstes Quartier in Arnprior. Ist kurz vor Ottawa. Klingt gut. Dann mal weiter on the Road. Es ist kühl, nebelig und bewölkt. Kurze Nieselschauer sind auch dabei. Wir kommen an einem Kanu-Verleih vorbei. Kanu fahren wäre doch gleich ein nettes Tagesprogramm. Wir machen Stopp und informieren uns im Shop. Wir sind schon eine Weile unterwegs. Es ist bereits 13:30 Uhr. Wir fragen die schon etwas ältere Shop Managerin ob es überhaupt möglich ist, ein Kanu auf unserem kleinen Nissan zu transportieren. Sie nickt. Okay. Dann glauben wir ihr das mal. Sie fragt uns, ob wir „sure“ sind und das Kanu wirklich heute noch ausborgen wollen, weil es ja schon so spät ist. Yes, we wanna try it – okay. VISA, Führerschein, Adresse Unterschrift. „Funny, I am also from austria, I was born in Innsbruck“ sagt sie trocken, als sie den Führerschein checkt. Wir sagen nicht viel darauf. Wir haben ja keine Zeit zu verlieren. Sie macht außerdem nicht den Eindruck, als ob sie tratschen möchte und geht im nächsten Satz eh gleich wieder trocken zum Protokoll über. Sie schickt uns zu Ken. Der kennt sich angeblich mit Kanus und dem Transport von Kanus auf den Dächern von kleinen japanischen Autos aus. Kanu, Paddel, Schwimmwesten, Rettungsbox wird uns ausgehändigt. Schaumstoffwürfel und Zurrgurte liegen bereit. Wir schnallen das fette Kanu auf das Dach vom Nissan. Es geht tatsächlich. Schaut super aus. Und wichtig. Jetzt gehören wir auch dazu. „Where ya from, folks?“ fragt Ken. „Austria“. „Whaaat? O my god, Austria, really?“ „Yes, we make a Worldtour“ – „Oh – good for you“. Ja, gefällt uns auch. Um 2 Uhr fahren wir los. Die Kanutour, die wir machen wollen, soll 4 Stunden dauern. Ein halbe Stunde noch Fahrt bis zum Barron Canyon. Hmmm. Wird sich schon alles irgendwie ausgehen. Unser angepeiltes Ziel liegt wieder am Rande des Algonquin Nationalpark. Den finden wir. Kurz noch bei der Einfahrt in den Park das Ticket gecheckt. Am Barron Canyon verlieren wir dann keine Zeit mehr. Die Einstiegsstelle ist schnell gefunden. Kanu abladen. Regenjacken und Schwimmwesten anziehen. Rucksack mit den Kameras packen. Stirnlampe auch noch rein in den Rucksack – zur Sicherheit – und Regenhülle drüber. Wir paddeln los. Läuft super gut. Wir fahren flussabwärts. Paddel paddel paddel. Ein paar Fotos. Paddel paddel. Natur genießen. Weit und breit keine Menschenseele. Wirklich herrlich. Wir sind ganz alleine auf dem Fluss. Links und rechts nur pure unberührte Natur. Ein paar Reiher und eine Schar Wildgänse können wir auch beobachten. Baumstämme ragen stellenweise aus dem Wasser. Und Felsen. Gar nicht so ungefährlich das Ganze. An einer Engstelle müssen wir aus dem Wasser raus und das Kanu 450 Meter über einen Wanderweg tragen. Dann wieder rein in den Fluss und weiterpaddeln. Nach 2 Stunden haben wir den Canyon erreicht. Dort ist die Strömung schon ziemlich stark. Wir machen uns auf den Rückweg. Wind zieht auf. Gegenwind, eh klar. Und noch dazu Regen. Sprühregen. Und wir paddeln noch dazu gegen die Strömung. Hmmmm… Das könnte noch interessant werden. Wir geben alles. Richtiges Workout. Wir bemühen uns in Ufernähe zu bleiben, damit uns die Strömung nicht zu sehr erwischt. Zu nahe in Ufernähe ist aber ebenfalls schlecht, weil wir stellenweise schon leicht die Felsen unter Wasser streifen. Ein Balance- und Kraftakt. Dann eine Engstelle. Wir navigieren durch 2 Felsen durch. Und laufen plötzlich auf Grund. Mitten im Fluss. Auf einem fetten Felsen unter Wasser. Scheiße. Wir stecken fest. Wir sehen uns schon durchnässt am Ufer im Wald Notübernachten. Das Kanu wirkt jetzt nicht sehr robust. Zumindest nicht, was die Bodenstärke anbelangt. Wir versuchen uns zu befreien. Gelingt nicht gleich. Wir versuchen ruhig zu bleiben. Und können uns schließlich irgendwie befreien. Wir gleiten wieder. Paddel paddel paddel. Nach 2 Stunden Kampf gegen Wind, Regen und Strömung kommen wir wieder zu unserer Einstiegsstelle. Sehr erleichtert. Es dämmert schon. Hell war es auf Grund des Wetters eigentlich eh den ganzen Tag nicht richtig. Wir beladen den Nissan und fahren retour zum Kanu Verleih. Keiner mehr da. Wussten wir. Das Kanu und das Equipment versorgen wir hinter dem Schuppen und sichern es an vorgesehener Stelle mit Stahlseil und Vorhangschloss. Geiles Erlebnis. Nette Tour. 4 Stunden am Fluss. Wir sind müde. Doch wir müssen gleich weiter. Es ist 18 Uhr und wir haben noch 1,5 Stunden fahrt vor uns bis zum nächsten Quartier. Wir fahren auf dem Trans-Canada Highway Richtung Arnprior. Auf dem Weg gönnen wir uns noch ein Abendessen in einem klassischen Diner neben der Straße. Diese Stärkung und Pause musste sein. Es regnet und ist stockfinster während der Fahrt. Die nasse Straße spiegelt und das Fernlicht vom Nissan lässt zu wünschen übrig. Kurz nach 20 Uhr sind wir in Arnprior angekommen. Edle Gegend. Sehr nobel wirkt es hier. Wie eine der Straßen in „Desperate Housewifes“. Wir haben ein spitzenmäßiges Quartier erwischt. Ein vornehmer Herr macht uns die Tür auf. Und ist sehr kurz angebunden. Vielleicht liegt es an unseren Schuhen, die wir im Vorzimmer ausgezogen haben. Die Wanderung, die Nacht in der Jurte ohne Dusche und der Kanu Trip waren sehr strapaziös für Davids Füße und Schuhe. Es riecht wie im Zentrallager vom Schärdinger. Wir nehmen unser Zeug und er zeigt uns das Zimmer sowie unser eigenes Badezimmer. Edel edel. Und vorallem nicht teurer, als unsere bisherigen Airbnbs. Wir genießen die Dusche und das herrliche Bad. Dann nur mehr ab ins Bett, weitere Roadtripplanung und Blog schreiben. Was gehen wir wohl die nächsten Tage an?
Tagesstatistik 10. September:
Mit dem Auto zurückgelegt: 120km
Mit dem Kanu gepaddelt: ca. 10km

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